"Jetzt"

Wie schon erwähnt, ist diese Site noch im Aufbau. "Jetzt" steht hier noch nicht viel.

Aber schau Dich um und erlebe Dein "Jetzt".

Man kann nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben. Man kann nur den jeweiligen Moment im Jetzt damit verbrauchen, über die Vergangenheit oder die Zukunft nachzudenken.

Gute Vorsätze zu Sylvester und das Jetzt

 

Was ist eigentlich das typischste für Sylvester? Na ja klar, da gibt es Knaller und Raketen, brennendes Tischfeuerwerk und gelegentlich gibt es brennende Tische; Sektlaune und Bierseligkeit, reichlich zu essen. „Frohes neues Jahr“ wünscht man, der hübschen Nachbarin gleich dreimal mit jeweils einem Kuss auf den Mund.

Und dann, so Viertel nach Neujahr, steht man im Pulverdampf. Schwaden treiben über die Straße. Das Knallen hallt nach. Das Blitzen und die Leuchtfeuer am Himmel scheinen noch nach auf der Netzhaut, man sieht noch ihre Echos. Man riecht das Pulver. Alles wirkt irgendwie anders. Es sind die Minuten danach. Man hatte den Eindruck wie von Gefahr – nur ein wenig. Jedes Jahr gibt es ja wieder die Geschichten von denen, die verunglücken. Menschen, die die Zigarre wegwerfen und den Chinaböller rauchen, zumindest für die verbleibenden Sekunden. Solche und ähnliche Geschichten finden sich immer in den Zeitungen nach dem Jahreswechsel. Man hat es geschafft, es ist nichts passiert. Das ist ein Gefühl ein klein bisschen wie „überlebt“.

 

Und in diesem Moment, um Viertel nach Neujahr, nach dem „Kriegsgetöse“, in dem Gefühl, „überlebt“ zu haben, direkt nach all dieser Aufregung taucht er auf, der Moment. Ein Moment, über den Bücher geschrieben werden. Ein Moment, für den Menschen in Vorträge gehen und manchmal um die halbe Welt reisen. Dies ist der Moment, in dem zwei Menschen plötzlich voreinander stehen und sich nicht zu helfen wissen, außer das sie sich küssen. Das ist der Moment, wo einem durch den Kopf geht, dass nun wieder ein Jahr herum ist. Dies ist ein Moment, wo plötzlich innere Ruhe einkehren kann. Dieser Moment ist das „Jetzt“. In diesen Moment gelangt man nur, wenn man es nicht nur schafft, äußerlich aus dem Hamsterrad auszusteigen, sondern auch, dieses Hamsterrad aus dem Inneren zu verbannen. Theoretisch zu jeder Zeit möglich, bleibt er vielen doch verwehrt bis zu solchen besonderen Momenten, wo man ihn erlebt.

 

Und es gibt noch etwas, dass viele machen, wenn sie diesen besonderen Moment für sich erleben. Sie schauen auf ihr Leben und sehen etwas, das sie dort nicht sehen wollen. Etwas, was sie versäumt haben zu tun - oder zu lassen. In diesem Augenblick der Klarheit und Ruhe, äußerlich und innerlich frei von Hamsterrädern, spüren sie, was eigentlich in ihnen brennt, welcher Wunsch, welche Sehnsucht dort weht. Und sie spüren, dass die Kraft und Entschlossenheit in ihnen schlummert, diesen Wunsch zu realisieren. In diesem Moment der Klarheit beschließen sie, etwas zu verändern: mit dem Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren, leichter werden, Studium beenden, endlich das angehen, das sie schon lange machen wollen. Und der Entschluss fließt wie warmer Honig in sie hinein. Sie wissen, dass sie es machen können.

 

Und dann ist der Moment vorbei. Die Treue zum Entschluss bleibt länger. Dieses Sein im Jetzt gerät in Vergessenheit, wird zerdreht und zerrieben in den Sprossen des Alltags. Das Hamsterrad hat uns wieder. Aber der Entschluss zieht sich wie ein Echo durch das Denken. Vielleicht hat die Umsetzung auch schon angefangen. Die letzte Zigarette wurde ausgedrückt in den Rauchschwaden des Neujahrs. Vielleicht muss die Umsetzung aber auch erst noch geplant werden und das beschlossene Sportprogramm konnte „unmöglich“ schon begonnen werden, weil man die richtigen Laufschuhe noch nicht gefunden hat.

 

Und nach und nach zerdreht unser Hamsterrad auch den Entschluss mitsamt dem Echo. Es gibt Ausnahmen, Entschuldigungen. Es beginnt ein Kreislauf aus Durchhalteparolen, Versprechungen sich selbst gegenüber und schlechtem Gewissen und Rechtfertigungen. In höchster Not greift man zu Projektionen: Man würde ja laufen, aber ständig ist in dieser Familie was zu tun. Man würde es ja durchhalten, ohne Zigaretten auszukommen, aber ständig sind da diese Alltagskatastrophen auf der Arbeit.

 

 

Das Ich im Hamsterrad macht Ausflüchte gegenüber dem ICH, das in jenem Moment der Klarheit und Ruhe genau wusste, was das Richtige zu tun ist und dass es getan werden kann.

 

Es gibt immer Gründe dafür, nicht das zu tun, was zu tun ist. In den besonderen Momenten, wo wir für einen Augenblick im Jetzt sind, erscheint uns das alles ganz anders. Im Alltag jedoch wollen wir uns im Spiegel oft nicht so genau anschauen. Dann kommen die Ausflüchte. Und wir finden immer Gründe dafür, nicht das zu tun, was zu tun ist.

Wie aber bekommt man denn das hin? Wie tut man wirklich das, was zu tun ist? Und wie schafft man es, sich nicht das Falsche einzureden, sondern das Richtige? Und wie unterscheidet man diese zwei Dinge?

 

Fangen wir mit dem letzten an: man erkennt das Falsche daran, das es das Kleinere ist. Das, was in einem Roman das „popeligere“ wäre:
„…und er erkannte, dass seine Arbeit eben so stressig ist und rauchte weiter, bis er 20 Jahre später an Kehlkopfkrebs verstarb;
„…aber da er nie die richtigen Laufschuhe fand und nie wirklich nach ihnen suchte, lief er nicht und litt für den Rest seines Lebens unter seiner Ablehnung seiner selbst, die er in den Augen aller Menschen widergespiegelt sah“;
„…und er arbeitete bis zum dritten Bandscheibenvorfall in diesem schlecht bezahlten Knochenjob, weil er sich täglich einredete, dass er eben nichts besseres könne und schon gar nicht finden könne, dass die Zeiten hart seien und er sich eigentlich glücklich schätzen müsse, wenigstens diesen Job zu haben“.

 

In jedem Roman, in jedem Film fänden wir das untragbar. Der Held soll gefälligst den „Arsch hochkriegen“, sonst kann es keine gute Geschichte werden. Das ist auch so in der Geschichte, die wir unser Leben nennen: wenn nichts passiert, ist es einfach langweilig

.

Wenn wir das Richtige als das Richtige erkennen, einfach daran, dass es größer, dass es grandioser ist, können wir uns das Falsche nicht mehr so einfach einreden. Zumindest fällt es uns schwerer, uns unsere eigenen Banalitäten abzukaufen, mit denen wir uns ausreden wollen, das zu tun, was Schneid erfordert, was uns innerlich wachsen lässt. Wenn wir das für uns Richtige erkennen, verstehen wir, dass jedes Argument nur eine Lüge sein kann, das behauptet, das Unerträgliche sei als unveränderbar zu akzeptieren.

 

Im Moment der Klarheit, um Viertel nach Neujahr, haben wir das kristallklar gesehen. Und wenn wir uns im Inneren wirklich zuhören, geht das auch an jedem der anderen 364 Tage im Jahr. Schaffen wir uns einen Moment, wo wir das innere Hamsterrad der falschen Argumente rausschmeißen. Dann sehen wir, dass es egal ist, mit welchen Schuhen wir zu laufen beginnen. Dann sehen wir, dass der grandiose Weg vielleicht der schwierigere zu sein scheint, aber auch der, der unser Leben lebenswerter macht. Das Hamsterrad bringt uns nirgendwohin, egal, wie lange wir darin laufen. Und sind nicht letztlich wir die Regisseure unseres Lebens?

 

Praxis und Post: Rosenbergstr. 1 · 30163 Hannover · kontakt@michael-schippel.de